Hilfe für den Neuanfang

Im März 2018 wurde Lilith e.V. mit dem Frauenpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Wofür sich der Nürnberger Verein engagiert, hat mir Daniela Dahm, Geschäftsführerin des Vereins, erzählt.

Begleitet drogenabhängige Frauen aus Nürnberg in ein selbstbestimmtes Leben: Daniela Dahm von Lilith e.V. Foto: Daniela Dahm/Lilith e.V.

Frau Dahm, herzlichen Glückwunsch zum Frauenpreis! Was bedeutet die Auszeichnung für Lilith e.V.?

Wir freuen uns sehr über die Verleihung des Nürnberger Frauenpreises 2018. Dies ist für uns eine Würdigung und Anerkennung unseres langjährigen Engagements für geschlechtersensible Drogenhilfe in Nürnberg.

Zurück zu den Anfängen ins Jahr 1993. Warum wurde Lilith e.V. eigentlich gegründet?

Die Drogenhilfe in Nürnberg war bereits vor 25 Jahren gut ausgebaut und orientierte sich an fortschrittlichen Ansätzen und Konzepten, allerdings hauptsächlich auf Männer bezogen. Wir wollten spezifische und adäquate Angebote für Drogenkonsumentinnen schaffen, die geschlechtsspezifische Ursachen von Abhängigkeiten (wie z.B. traumatisierende Gewalterfahrungen) berücksichtigen, den Zusammenhang zwischen Gewalt und Sucht öffentlich benennen und langfristig damit die Lebensrealitäten von Frauen verbessern und Diskriminierungen reduzieren.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Jahre verändert?

Unsere Arbeitsweise ist grundsätzlich gleich geblieben. Aber wir haben unser Angebot deutlich erweitern können. 1995 konnten wir unsere erste Einrichtung eröffnen: eine psychosoziale Suchtberatungsstelle für Drogen konsumierende Frauen. Damals waren drei Sozialpädagoginnen bei uns hauptamtlich beschäftigt. Heute arbeiten 30 Fachkräfte in unterschiedlichen Einrichtungen. Unser Angebot reicht von Beratung, kostenloser Abgabe von Essen, Trinken und Kleidung, Gruppen- und Freizeitangeboten über Streetwork bis hin zu ambulanter Therapie und Arbeitsplätzen. Außerdem haben wir die Kinder von Abhängigen als eigene Zielgruppe aufgenommen und bieten hier neben Erziehungsberatung für die Mütter auch Ausflüge und Gruppen für die betroffenen Kinder an. Hier ist es unser erklärtes Ziel,  die Entwicklungschancen und Lebensrealitäten der betroffenen Kinder zu verbessern.

Welche Frauen betreuen Sie? 

Wir beraten und betreuen Frauen, die illegale Drogen (Heroin, Crystal Meth, Cannabis u.a.) konsumieren und deren Kinder. 

Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer täglichen Arbeit?

Unsere größte Herausforderung ist es, mit den knapp bemessenen finanziellen Mitteln der hohen Nachfrage gerecht werden zu können. Wir haben an jede einzelne Beratung einen hohen Anspruch, wollen jeder Klientin die bestmögliche Beratung zukommen lassen, leider übersteigt aber der tatsächliche Bedarf oft unsere personellen Ressourcen.

Suchthilfe verlangt Ausdauer und Geduld. Woher nehmen Sie die Kraft für Ihre Arbeit?

Die von uns betreuten Frauen und Kinder geben uns immer wieder aufs Neue Kraft und Energie. Es sind nicht immer Erfolgsgeschichten und häufig sind die Biographien unserer Klientinnen von vielen Rückfällen begleitet. Dennoch sehen wir, dass wir mit unserem innovativen Konzept Frauen und Kinder erreichen, die bislang noch keinen Zugang zum Hilfesystem gefunden haben, und dass sich bei den meisten die Lebensrealitäten deutlich verbessern, sobald sie bei uns in Beratung/ Betreuung sind.

Was wünscht sich Lilith e.V. für die Zukunft?

Für die Zukunft wünschen wir uns, dass wir alle unsere bestehenden Angebote langfristig finanziell absichern und aufrecht erhalten können und dass wir wichtigen (und bislang in Nürnberg nicht versorgten) Zielgruppen wie z.B. junge Drogenkonsumentinnen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren auch Angebote als Drogenhilfe machen können. Außerdem wünschen wir uns natürlich, dass Drogen konsumierende Frauen gesamtgesellschaftlich mehr Verständnis und weniger Stigmatisierung erfahren.

Ich finde es beeindruckend, was das Team von Lilith e.V. leistet. Für die Zukunft wünsche ich Lilith e.V. alles Gute, viel Kraft und Ausdauer!

 

 

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